Swift Challenge Gewinner Luca Knaup im Interview

Der Entwickler, der für seinen Opa eine Welt veränderte

Luca Knaup ist 22, studiert Informatik in Stuttgart – und hat die Swift Student Challenge gewonnen. Im Vorfeld der WWDC 2026 sprach er mit uns über seine App ShelfSure, über Minecraft und das Thema „Künstliche Intelligenz“

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Mac Life: Luca, du hast gerade die Swift Student Challenge gewonnen – herzlichen Glückwunsch. Stell dich doch bitte kurz vor.

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Luca Knaup: Danke! Ich bin 22 Jahre alt, studiere Informatik an der Hochschule Stuttgart und habe dieses Jahr zum ersten Mal an der Swift Student Challenge teilgenommen – und diese auch gewonnen. Das war eine sehr coole Erfahrung!

Wer ist Luca Knaup?

(Bild: Luca Knaup)
Luca Knaup begann 2017 mit Minecraft-Mods zu programmieren. Heute studiert der 22-Jährige Informatik in Stuttgart, entwickelt iOS-Apps – und überzeugte Apple mit ShelfSure, einer Barrierefreiheits-App für sehbehinderte Menschen. 2026 gewann er bei Apples Swift Student Challenge.

Mac Life: Wie bist du zum Programmieren gekommen?

Luca Knaup: Über Minecraft, tatsächlich. 2017 habe ich angefangen, Mods und Plugins in Java zu schreiben – das hat einfach Spaß gemacht, vor allem weil ich die Ergebnisse direkt mit Freunden erleben konnte. Mein Vater programmiert schon seit seiner Kindheit, das hat mich natürlich auch stark beeinflusst.

Mac Life: Und der Sprung zu Swift und iOS-Entwicklung?

Luca Knaup: Den habe ich während meines Abiturs am Beruflichen Gymnasium gemacht. Ich wollte mal etwas Neues abseits von Minecraft ausprobieren, hatte ein iPhone und war schon immer ein großer Apple-Fan. SwiftUI war damals relativ neu und ein idealer Einstiegspunkt. Ich habe mir das dann anfangs komplett selbst beigebracht, mit einem dicken Swift-Buch und YouTube-Videos.

Mac Life: Erzähl uns von ShelfSure, deiner Gewinner-App.

Luca Knaup: Im Kern ist es eine App für meinen Opa. Er hat Makuladegeneration und kann daher nur noch schlecht sehen. Er war früher selbst im Lebensmittelgeschäft tätig und geht deswegen immer noch leidenschaftlich gerne einkaufen. Das macht er selbstständig, ohne Begleitung. Doch Preisschilder lesen und ähnliche Produkte unterscheiden war für ihn kaum noch möglich. Also habe ich eine App gebaut, die ihm genau dabei hilft.

Bewusst minimalistisch: Der Startbildschirm ist mit nur zwei großen Schaltflächen auf Menschen mit Makuladegeneration zugeschnitten, damit man nicht viel sehen muss, um den richtigen Knopf zu finden.
Bewusst minimalistisch: Der Startbildschirm ist mit nur zwei großen Schaltflächen auf Menschen mit Makuladegeneration zugeschnitten, damit man nicht viel sehen muss, um den richtigen Knopf zu finden. (Bild: Adobe Stock, Montage)

Mac Life: Wie funktioniert das konkret?

Luca Knaup: Es gibt zwei Modi: Preisschilderkennung und Produktunterscheidung per Barcode-Scanner. Familienmitglieder speisen vorher die Produkte ein, die er regelmäßig kauft. Im Supermarkt hält er dann die Kamera drauf, und die App sagt ihm per Sprachausgabe und per haptischem Feedback, ob er das richtige Produkt in der Hand hat. Die Bedienoberfläche ist bewusst minimalistisch: zwei große Schaltflächen, fertig.

Mac Life: Hast du bei der Entwicklung auch auf Künstliche Intelligenz zurückgegriffen?

Luca Knaup: Für die Preiserkennung, ja. Das Knifflige ist, dass Preisschilder im Supermarkt sehr unterschiedlich aussehen – groß, klein, mit Kilopreisen, mit Sonderangeboten. Meine Erkenntnis war: Der eigentliche Preis ist meistens die größte Zahl auf dem Schild. Ich habe dann das Vision Framework von Apple genutzt und eine Bounding Box um den größten Zahlenblock gelegt. Dabei hat mir Künstliche Intelligenz geholfen. Aber ich habe den Code nie blind übernommen, sondern Zeile für Zeile verstanden.

Mac Life: Nutzt dein Opa die App wirklich?

Luca Knaup: Ja, vor allem bei Preisschildern. Er achtet immer sehr darauf, was gerade im Angebot ist – da ist die App für ihn wirklich praktisch. Sein Feedback war gut, und das war dann auch der Moment, wo ich gedacht habe: Das reiche ich bei Apple ein.

Mac Life: In Deutschland leben rund sieben Millionen Menschen mit Makuladegeneration. Kommt ShelfSure in den App Store?

Luca Knaup: Der Gedanke ist da. Das Problem ist der ganze Drumherum: Datenschutzerklärung, Impressum, Website. Zusammen mit dem Support ist das für einen Solo-Entwickler einfach sehr viel zusätzliche Arbeit. Konkrete Pläne habe ich noch nicht, aber ausschließen möchte ich es nicht.

ShelfSure

Das richtige Produkt: Beim Barcode-Scan gleicht die App den Artikel mit den Lebensmitteln ab, die ein Familienmitglied vorab in die Einkaufsliste eingefügt hat.
Das richtige Produkt: Beim Barcode-Scan gleicht die App den Artikel mit den Lebensmitteln ab, die ein Familienmitglied vorab in die Einkaufsliste eingefügt hat. (Bild: Luca Knaup, Screenshots, Montage)

ShelfSure löst ein konkretes Alltagsproblem: Menschen mit Makuladegeneration verlieren zunehmend ihr zentrales Sehfeld – und damit etwa die Fähigkeit, im Supermarkt Preisschilder zu lesen oder ähnliche Produkte auseinanderzuhalten. Luca Knaup entwickelte die iOS-App für seinen Großvater, der trotz dieser Sehbehinderung selbstständig einkaufen möchte.

ShelfSure arbeitet in zwei Modi. Im Barcode-Modus scannt die App den Code eines Artikels und vergleicht ihn mit einer vorab angelegten Einkaufsliste. Familienmitglieder pflegen diese Liste ein, der Produktname und Barcode genügen. Per Sprachausgabe und Vibration erfährt die Person sofort, ob sie das richtige Produkt in der Hand hält.

Im Preisschildmodus liest ShelfSure den Kaufpreis aus. Knaups Ansatz ist clever: Der Verkaufspreis ist auf einem Schild stets die größte Zahl. Das Vision Framework von Apple und Künstliche Intelligenz ermitteln deshalb die größte erkannte Texttreffer-Box und sprechen den Betrag laut aus.

Das Interface zeigt bewusst nur zwei große Schaltflächen – keine Menüs, kein Scrollen. Knaup baute ShelfSure zuerst für seinen Großvater, überzeugte damit Apple und gewann damit 2026 die Swift Student Challenge.

Mac Life: Du hast noch weitere Apps: FuelShare, FoodFresh, ScanBack, LeanTrack – und eine App zur Pfandbon-Verwaltung. Was steckt hinter dieser Idee?

Luca Knaup: Die Pfandbon-App war schlicht mein eigenes Problem – und das meiner Freunde. Man hat den Bon, steckt ihn irgendwo hin, und an der Kasse ist er weg. Die App fotografiert ihn einfach ab. So entstehen bei mir eigentlich alle Apps: ein konkretes Alltagsproblem, das auch andere haben. Dann entwickle ich eine Lösung, lade sie für Freunde als Testversion hoch und verbessere sie anhand ihres Feedbacks.

Mac Life: Wie viel Zeit steckt in so einer App?

Luca Knaup: Alles zusammen – also von der Idee über Design, die eigentliche Programmierung bis hin zu Details wie Icons und Upload – sind das locker 60 bis 80 Stunden. Verteilt über zwei bis vier Monate, weil ich immer mal wieder dran arbeite, wenn eine neue Idee kommt. Meine Apps reifen quasi parallel zueinander.

Mac Life: Du bist zur WWDC vor Ort im Apple Park. Was erwartest du von iOS 27?

Luca Knaup: Ich erwarte keine Revolution, eher Produktpflege. Das neue Liquid-Glass-Design polarisiert ja stark, und ich kann mir gut vorstellen, dass Apple da auf Feedback eingeht und Details überarbeitet. Viele der versprochenen Siri-Features müssen endlich kommen. Grundsätzlich fände ich es gut, wenn Apple mal sagt: Wir verfeinern lieber, was wir haben, statt zehn neue Funktionen draufzupacken.

Mac Life: Abschlussfrage: Viele Programmierer fürchten, ihre Jobs an Künstliche Intelligenz zu verlieren. Wie siehst du das?

Luca Knaup: Ich benutze Künstliche Intelligenz selbst, aber ich übernehme nie etwas blind. Die Grundkonzepte muss man wirklich verstanden haben, sonst wird man zum reinen Vibe-Coder: Es funktioniert irgendwie, aber man kann es nicht selbst korrigieren oder weiterentwickeln. Wer das Fundament hat, kann Künstliche Intelligenz aber tatsächlich sinnvoll einsetzen – als Beschleuniger, nicht als Ersatz für grundlegendes Verständnis. Dass alle Entwickler arbeitslos werden, glaube ich daher nicht. Aber vieles wird schneller gehen.

Mac Life: Luca, vielen Dank – und nochmals herzlichen Glückwunsch!

Luca Knaup: Danke, gerne.

Das Interview führte Stefan Molz am 28. Mai 2026. Es wurde zur besseren Lesbarkeit nachbearbeitet.

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